01. Einleitung
Mit der Einführung von IFRS 9 (Erstanwendung: 01.01.2018) für die Bilanzierung von Finanzinstrumenten wurden auch die Regeln für das Hedge Accounting neu gefasst – allerdings mit einer Ausnahme: dem Portfolio Hedge Accounting. Parallel zur Entwicklung des IFRS 9 seit 2013 wurde zwar auch an einer Neufassung des Portfolio Hedge Accountings gearbeitet; aufgrund vieler offener Punkte und breiter Kritik an einem ersten, im Jahr 2014 veröffentlichten Diskussionspapier zum sogenannten „Portfolio Revaluation Approach“ wurden schlussendlich mit dem IFRS 9 keine neuen Regeln zum Portfolio Hedge Accounting verabschiedet. Insbesondere dürfen daher die bisher gültigen Regelungen aus dem IAS 39 Standard bis auf Weiteres sowohl für den Portfolio Hedge als auch für den Mikro- und den Gruppenhedge genutzt werden, inkl. des EU-spezifischen „Carve-Out“, welcher einen Bottom-Layer-Hedge ermöglicht.
DRM Core Model und Überführung in ein Standard-Setting Project
Nicht zuletzt seit der Veröffentlichung des sogenannten „Core Models“ im Juli 2019 arbeitet das IASB (damals noch unter dem Stichwort „Dynamic Risk Management“ (DRM)) wieder intensiviert an der Entwicklung einer neuen Lösung für das Portfolio Hedge Accounting; seit Juli 2022 im Rahmen eines Standard-Setting-Projekts. Seit Veröffentlichung des Agenda Papers zur Transition bei der Erstanwendung (AP4A, 10/24)1 ist klar, dass das neue Portfolio Hedge Accounting in IFRS 9 integriert werden soll. Wenngleich der konkrete Zeitplan noch nicht final feststeht, könnte die Erstanwendung und damit auch die potenzielle Ablösung des IAS 39 bis 2030 erfolgen.
Veröffentlichung des Exposure Drafts und Umbenennung in Risk Mitigation Accounting (RMA)
Im Oktober 2024 wurde seitens des IASB die Veröffentlichung des Exposure Drafts angekündigt für 2025, mit einer anschließenden 240-tägigen Kommentierungsfrist. Während dieser Phase haben sich bereits einige Stakeholder (u. a. Bankenverbände und Bankenaufsicht) an das IASB mit Stellungnahmen zu einigen aus ihrer Sicht kritischen Punkten gewandt. Hierzu zählten u. a. potenziell unerwünschte Effekte im DRM-Adjustment aufgrund etwaiger Schwächen im sogenannten „Capacity Assessment“ sowie eventuell unerwarteter Effekte auf die CET1-Raten. Anfang Dezember 2025 wurde schließlich der angekündigte Exposure Draft auf der Webseite des IASB veröffentlicht, und das Ende der Kommentierungsfrist auf den 31. Juli 2026 festgelegt. Einhergehend mit der Veröffentlichung ging auch die Umbenennung in „Risk Mitigation Accounting“ (RMA) sowie eine Erweiterung des Scopes von Banken auf andere Finanzinstitute wie z. B. Versicherungen. Im Exposure Draft wurden einige Anpassungen gegenüber den zuvor erörterten Aspekten vorgenommen, die teilweise diese Kritikpunkte berücksichtigen. Generell wird allerdings im Exposure Draft ein eher prinzipienbasierter Ansatz verfolgt, der auf grundlegende Fragestellungen und Sachverhalte abstellt, anstatt detaillierte Vorgaben für die zu verwendenden Methoden zu machen. Im Folgenden wird näher auf den Risk Mitigation Accounting Ansatz auf Basis des Exposure Drafts eingegangen.
Zinssteuerung im Fokus des Hedge Accountings
Mit dem RMA will das IASB eine realistischere Darstellung der Risikosteuerung in der Bilanzierung erreichen (ED 12/2025, Tz. 7.1.2–7.1.3). Der RMA-Ansatz leitet sich daher aus der Risikostrategie des jeweiligen Instituts ab, sodass sich entsprechend der führenden Steuerungssicht für das Zinsrisiko (EVE- vs. NII-Perspektive) unterschiedliche Betrachtungsweisen ergeben. In jedem Fall müssen die Kerngrößen Net Repricing Risk Exposure (NRR) und Risk Mitigation Objective (RMO) konsistent zum Risikomanagement bestimmt werden (ED 12/2025, Tz. 7.2.9, 7.4.1), was insbesondere auch Architekturfragen für die systemseitige Abbildung der RMA-Prozesse aufwirft. Die bereits angesprochene engere Verzahnung mit der Risikostrategie führt allerdings auch zu Einschränkungen, etwa durch den Wegfall freiwilliger und periodenabhängiger (De-)designationen. Dürfen gegenwärtig strategische Derivatepositionen in das Portfolio Hedge Accounting nach IAS 39 einbezogen werden (eine Praxis, die abhängig von der aktuellen Markteinschätzung auch in relevanter Weise zum Einsatz kommt), wird im RMA eine solch flexible Auslegung nicht ohne Weiteres möglich sein.
02. Elemente und Regelprozess des RMA
2.1 Risikomanagementstrategie
Der zukünftige RMA-Prozess ist ein Zusammenspiel zwischen den Steuerungsprozessen des Treasury und der buchhalterischen Betrachtung im Accounting. Die Risikomanagementstrategie (RMS) bildet hierbei den zentralen Rahmen für das RMA, indem sie festlegt, wie das Unternehmen (Zins-)Risiken steuert (ED 12/2025, Tz. B7.1.6). Grundlegende Elemente des Risikomanagements, wie z. B. Steuerungskreise, die zu steuernde Zinsrate (mitigated rate), die primäre Risikometrik für die Steuerung sowie die Risikolimits für das RMA, werden durch die RMS vorgegeben. Im Folgenden werden die zentralen Elemente des regelmäßigen RMA-Prozesses kurz erläutert.
2.1.1 Prospektive Schritte bei Start der Hedgeperiode
Die folgenden Schritte sind innerhalb des regelmäßigen RMA-Prozesses zum Start einer jeden Hedgeperiode durchzuführen (s.a. das Dokument zu den „Illustrative Examples“ 12/2025):
Bestimmung des Net Repricing Risk Exposures (NRR)
Je nach primärem Steuerungsansatz (EVE oder NII) und der dafür verwendeten Risikometrik wird die Netto-Risikoposition der zugrunde liegenden Portfolien je Time Bucket bestimmt. Dies kann beispielsweise in Form eines PV01-Profils (in der EVE-Perspektive) oder auf Basis von Repricing-CFs (in der NII-Perspektive) erfolgen. Berücksichtigt werden hierfür grundsätzlich alle für die Zinsrisikosteuerung relevanten, nicht-derivativen Geschäfte, also Aktiva und Passiva inklusive Sichteinlagen. Dabei dürfen Verhaltensmodellierungen analog zur Zinsrisikosteuerung verwendet werden, beispielsweise Einlagenmodellierung oder Prepayments. Es gibt allerdings eine ganze Reihe von Ausschlusskriterien für die Bildung des NRR: Insbesondere dürfen FVPL-bilanzierte Positionen sowie Eigenkapital nicht berücksichtigt werden (BC 12/2025, Tz. BC46, BC50).
Festlegung des Risk Mitigation Objective (RMO)
Das RMO stellt denjenigen Anteil des NRR dar, den das Unternehmen durch den Einsatz von Derivaten mindern möchte. Basis für das RMO bilden die designierten Derivate, welche im Allgemeinen eine Teilmenge der für die Zinsrisikosteuerung abgeschlossenen externen Derivate sind. Ausgenommen sind interne Derivate und bestimmte Arten von (netto geschriebenen) Optionen (ED 12/2025, Tz. 7.3.4, 7.3.2). Passend zur Bestimmung des NRR wird gemäß primärem Steuerungsansatz (NII/EVE) zunächst ein Risikoprofil, aufgeteilt auf Time Buckets, ermittelt. Das RMO wird anschließend unter Einhaltung der folgenden Regeln festgesetzt (siehe auch ED 12/2025, Tz. 7.4.1–7.4.2):
Regeln für die Bestimmung der RMO
- RMO ≤ NRR – Kein Overhedge, in dem RMO dürfen nur Risikopositionen angerechnet werden, welche die NRR reduzieren.
- NRR – RMO ≤ Risikolimits – Die Nettorisikoposition muss auf Basis des angestrebten Toleranzbereichs gemäß Risikostrategie ermittelt werden.
Sobald das RMO initial festgelegt wurde, darf es rückwirkend nicht mehr ohne Weiteres verändert werden; Änderungen dürfen sich nur auf die nächste Periode beziehen (ED 12/2025, Tz. 7.4.4). Ausgenommen davon sind Änderungen am NRR, die zu einem Nichtbestehen des retrospektiven Tests führen (s. Abschnitt 2.1.2).
Konstruktion der Benchmark-Derivate
Nach seiner Festlegung muss das RMO durch Konstruktion von sog. Benchmark- Derivaten bescheinigt werden (ED 12/2025, Tz. 7.4.5). Hierdurch soll insbesondere sichergestellt werden, dass das RMO unabhängig von den designierten Derivaten gemessen wird.
Bei den Benchmark-Derivaten handelt es sich um synthetische Derivate, welche das RMO eines Unternehmens abbilden. Die Benchmark-Derivate dürfen nur die Eigenschaften des RMO hinsichtlich der durch die Risikostrategie vorgegebenen Risikometrik abbilden und nicht die der designierten Derivate. Die Benchmark-Derivate werden in Bezug auf das gemanagte Risiko und auf Basis der für das spezifische Zinsrisiko relevanten Referenzrate gemäß Risikomanagementstrategie definiert. Sie werden gegen die aktuellen Marktzinsen des zu managenden Risikos kalibriert, um einen initialen Fair Value von Null zu erreichen.
2.1.2 Retrospektive Schritte am Ende der Hedgeperiode
Die folgenden Schritte sind am Ende der Hedgeperiode notwendigerweise durchzuführen:
Retrospektive Betrachtung
Zur Bestimmung des Einflusses unerwarteter Änderungen an dem NRR in der vergangenen Periode, z. B. durch unerwartete Prepayments, wird ein retrospektiver Test durchgeführt (ED 12/2025, Tz. 7.4.8–7.4.14). Mit diesem Test soll geprüft werden, ob und inwieweit die Bank trotz der unerwarteten Änderungen ihr Zinsrisiko erfolgreich mitigiert hat. Hat sich die Bank in der retrospektiven Betrachtung überhedged, muss das RMO rückwirkend angepasst und müssen weitere Benchmark- Derivate eingestellt werden.
Ermittlung des Risk Mitigation Adjustments
Der im Einklang mit dem RMO stehende Anteil der Wertänderungen der designierten Derivate ist im Risk Mitigation Adjustment statt in der GuV zu erfassen. Hierzu wird das RMA für die betrachtete abgelaufene Periode über einen Lower-Of-Test (Lower-of-Requirement) berechnet (ED 12/2025, Tz. 7.4.85). Hierbei ergibt sich das RMA als die betragsmäßig kleinere Größe der Summe der kumulierten Wertänderungen der designierten Derivate einerseits und jener der Benchmark-Derivate andererseits. Detaillierte Anforderungen zur Ermittlung dieser Wertänderungen unterscheiden sich zwischen Exposure Draft und Basis for Conclusions leicht.2
In den zuvor vorgestellten Diskussionspapieren im DRM-Projekt enthielt der Lower-of-Test noch eine zusätzliche Komponente für das Zinsergebnis, welche im Exposure Draft nicht mehr explizit enthalten ist. Dennoch sollte sichergestellt werden, dass auch im NII nur der „effektive Anteil“ des gesicherten Risikos berücksichtigt wird, um auch die Variabilität im NII zu reduzieren.
Die spätere Amortisierung des RMA sollte grundsätzlich in den Perioden ergebniswirksam werden, in denen auch die Ergebniseffekte der hierfür zugrunde liegenden Finanzinstrumente wirksam werden. Detaillierte Vorgaben diesbezüglich werden im Exposure Draft hingegen nicht gemacht. Hierfür sollte ein rationeller Ansatz gewählt werden, der sich z. B. an den Profilen der Benchmark-Derivate orientiert (ED 12/2025, B7.4.17). Auch eine lineare Auflösung wird nicht grundsätzlich abgelehnt, sofern kein anderer Ansatz sachgerecht und umsetzbar erscheint (ED 12/2025, Tz. 7.5.3).
Risk Mitigation Adjustment Excess
Die Berücksichtigung unvorhergesehener Veränderungen des NRR während einer Hedgeperiode ist ein komplexes und viel diskutiertes Thema und wird durch die retrospektive Betrachtung nicht in Gänze abgedeckt. Um ein aufwändiges Tracking des NRR und ein Nachhalten von unerwarteten Änderungen zu vereinfachen, ist die Berechnung eines sog. Risk Mitigation Adjustment Excess vorgesehen, sofern eine Indikation besteht, dass die unvorhergesehenen Änderungen durch die retrospektive Betrachtung nicht vollständig abgedeckt sind (AP4A, 06/2024, Referenz Exposure Draft: ED 12/2025, Tz. 7.4.11–7.4.14).
Es soll dabei keine automatische Anpassung des Risk Mitigation Adjustments aus vergangenen Perioden erfolgen, wenn die zugrunde liegenden Positionen durch Prepayments teilweise wegfallen. Um dennoch zu gewährleisten, dass das gebildete Risk Mitigation Adjustment weiterhin im Einklang mit dem Risiko des NRR steht, soll bei entsprechender Indikation geprüft werden, ob das Risk Mitigation Adjustment höher als der Barwert des aktuellen NRR ist und somit nicht im Einklang mit dem erwarteten Nutzen für das NRR stünde. Die prinzipienbasierte Definition des Barwerts des NRR im Exposure Draft sowie die zusätzlich gewährten Freiheiten für die praktische Umsetzung lassen unterschiedliche Möglichkeiten offen, wie eine zukünftige Umsetzung dieses Prozesses aussehen könnte. Eine Abwägung der Umsetzungsmöglichkeiten während der Konsultationsphase kann daher sinnvoll sein. Im Falle eines Risk Mitigation Excesses soll dann ein entsprechender Anteil des Risk Mitigation Adjustments ergebniswirksam ausgebucht werden.
2.2 Weitere RMA-Prozessschritte
Über den regelmäßigen Kernprozess des RMA hinaus gibt es noch weitere prozessuale
Anforderungen:
Dedesignation / Beendigung des RMA
Da sich das RMA an der Risikomanagementstrategie ausrichtet, muss das RMA immer dann beendet und neu aufgesetzt werden, wenn die Risikomanagementstrategie in wesentlichen Punkten angepasst wird. Anders als beim Portfolio Hedge nach IAS 39 ist eine freiwillige Dedesignation oder gar eine Beendigung des RMA nicht vorgesehen (ED 12/2024, Tz. 7.5.2).
Anhangangaben in den IFRS-Notes
Wie eingangs erwähnt, ist ein wesentliches Ziel des RMA das Erreichen eines höheren Grades an Transparenz in der Abbildung der Risikomanagementaktivitäten in den IFRS-Abschlüssen des Unternehmens (ED 12/2025, Tz. 7.1.3). Dementsprechend müssen bei Anwendung des RMA auch zusätzliche Informationen offengelegt werden, u. a. Ablaufprofile und mittlere Zinssätze der designierten Derivate, Aufgliederung des NRR sowie Informationen zum Risk Mitigation Adjustment-Überschuss (ED 12/2025, Tz. 30D–30P).
03. Transition / Ersteinführung
Obgleich der Erstanwendungszeitpunkt noch nicht feststeht, gibt es schon detaillierte Vorschläge zu den Regeln für die Ersteinführung des RMA.
Hedge Accounting nach IAS 39 nicht mehr zulässig
Zwar wird die Einführung von RMA freiwillig und nicht verpflichtend sein; dennoch wird mit Einführung des RMA keine Anwendung bestehender IAS-39-Hedges mehr erlaubt sein (ED 12/2025, Tz. IN13). Dies gilt sowohl für bestehende Portfolio- Hedges als auch für Mikro-Hedges. In diesen Fällen muss eine Dedesignation gemäß den Regelungen von IAS 39 / IFRS 9 zum Zeitpunkt der Erstanwendung des RMA erfolgen (ED 12/2025, Tz. C2.57).
IFRS 9-Mikrohedge Positionen
Für Positionen, die bisher im Mikro-Hedge nach IFRS 9 waren, gibt es einmalig zum Erstanwendungszeitpunkt des RMA die Wahlfreiheit, eine Dedesignation durchzuführen und die betroffenen Positionen im RMA zu berücksichtigen (ED 12/2025, Tz. C2.58).
Fair Value Option
Für Positionen, die bisher mit der Fair Value Option bilanziert wurden, gibt es ebenfalls einmalig zum Erstanwendungszeitpunkt die Wahlfreiheit, eine Umkategorisierung vorzunehmen, um diese Positionen im RMA zu berücksichtigen (ED 12/2025, Tz. C2.59–C2.60).
04. Schlussfolgerungen
Die Einführung des RMA bildet einen Paradigmenwechsel im Hedge Accounting und stellt dadurch Banken vor vielfältige Herausforderungen, die aber auch mit Chancen verbunden sind:
Enge Verzahnung von Risikomanagement und Accounting
Die starke Orientierung des RMA am Risikomanagementprozess und an der Risikostrategie führt zu einer wesentlich engeren Verzahnung von Zinsrisikosteuerung und Hedge Accounting. Dies stellt Banken vor die Situation, Risikostrategie einerseits und Steuerungsprozesse andererseits im Hinblick auf eine optimale Ausgestaltung des RMA zu prüfen. Gleichwohl ergibt sich hieraus aber auch die Chance, bankfachliche Prozesse zu verschlanken und damit verbundene Synergien zu nutzen. Für eine optimale Einbettung des RMA in die Systemarchitektur wird eine bloße Anpassung der bisherigen Systeme für den Portfolio Hedge in vielen Fällen nicht zielführend sein. Stattdessen sollte für jeden Prozessschritt des RMA separat geprüft werden, ob innerhalb der Architektur eine Verzahnung mit dem Risikomanagement möglich ist.
Interaktion mit anderen Systemen
Potenzielle Auswirkungen sind a priori nicht auf das Risikomanagement- und das Hedge-Accounting-System beschränkt, auch eine Beteiligung der Handelssysteme (z. B. für die Generierung und Datenhaltung der Benchmark-Derivate) kann sinnvoll sein. Durch die starken Auswirkungen des Lower-Of-Tests sowie potenziell auch der Bestimmung des Risk Mitigation Adjustment Überschusses auf die Buchungslogik sind insbesondere Auswirkungen auf die Nebenbuchhaltung zu erwarten. Bisher sind die Prozesse für die Standardbuchungen von Zinsergebnis und FV-Ergebnis für Derivate oft von der Ermittlung der Hedge-Accounting-Buchungen entkoppelt, welche anschließend „on top“, z. B. als Umbuchungen zwischen FV-Ergebnis und Hedge-Ergebnis, geschehen. Durch den Lower-Of-Test entstehen neue Abhängigkeiten zwischen den Standard-Buchungsprozessen und den Buchungen des Hedge Accountings, die eine Herausforderung für den End-to-End-Prozess des RMA darstellen.
Strategische Entscheidungen in der IT-Architektur und Transition
Aus den oben genannten Gründen dürfte bei vielen Banken die Einführung des RMA mit bereichsübergreifenden Architekturentscheidungen verbunden sein. Aufgrund der damit verbundenen Vorlaufzeit ist eine frühzeitige Analyse empfehlenswert, um die Einführung und den zukünftigen Betrieb möglichst effizient gestalten zu können. Ebenso sind aus fachlicher Perspektive für das RMA einige Grundsatzentscheidungen zu treffen (u. a. Nutzung von Transition Reliefs, Umgang mit Konzernstrukturen, Wahl der Hedgeperioden).
Praxistest und Proberechnungen
Um mögliche Problemstellungen zu identifizieren und Lösungsansätze praxisnah zu analysieren und zu testen, ist die Durchführung von Simulationsrechnungen sinnvoll. Im Rahmen solcher Analysen sollte auch geprüft werden, ob oder wie der im Exposure Draft beschriebene Ansatz konkret umgesetzt werden könnte oder ob hier größere Herausforderungen zu erwarten sind. Solche Testläufe unter realen Bedingungen ermöglichen gleichermaßen eine fundierte Analyse in Bezug auf mögliche Gaps sowie eine aktive und gezielte Interaktion mit dem IASB im Rahmen des vorgesehenen 240-tägigen Kommentierungszeitraums (ED 12/2025, S. 14).
Kontakt
Gerne diskutieren wir mit Ihnen in einem unverbindlichen Termin ein mögliches Vorgehen für Ihr Haus und unterstützen Sie beim Setup einer RMA-Vorstudie, um die oben genannten Themenpunkte frühzeitig anzugehen.
RMO-Glossar
Benchmark-Derivate: Synthetische Derivate, welche zur Bewertung der Effektivität der Zinsrisikosteuerung verwendet werden. Sie bilden das Risk Mitigation Objective ab, und werden initial auf einen Fair Value von Null kalibriert.
Designierte Derivate: Sicherungsderivate, die für die Zinsrisikosteuerung mit externen Kontrahenten abgeschlossen wurden und dem NRR zugeordnet sind. Sie werden im RMA u. a. für den Nachweis des Risk Mitigation Objective benötigt.
Economic Value of Equity (EVE): Im Kontext des RMA ist hiermit der Fair Value des Bankbuchs gemeint. Eines der Ziele der Anwendung des RMA-Modells ist es, Teile der EVE-Schwankungen in der Bilanz, die durch Risikomanagementaktivitäten verursacht werden, zu plausibilisieren.
Lower-Of-Test: Vergleicht designierte Derivate mit Benchmark-Derivaten im Hinblick auf kumulierte Fair-Value-Änderungen einerseits und auf realisierte Zinsprofile andererseits. Die jeweils niedrigere Größe wird als Risk Mitigation Adjustment gebucht.
Net Interest Income (NII): Im Kontext des RMA ist hiermit der Zinsertrag des Bankbuchs gemeint. Eines der Ziele der Anwendung des RMA-Modells ist es, Teile der NII-Schwankungen in der Bilanz, die durch Risikomanagementaktivitäten verursacht werden, zu plausibilisieren.
Net Repricing Risk Exposure (NRR): Die Netto-Zinsrisikoposition, aufgeteilt auf Laufzeitbänder, die aus den zulässigen Vermögenswerten und Verbindlichkeiten des Instituts für den Zeitraum des Zinsrisikomanagements entsteht. Die Einteilung auf Laufzeitbänder erfolgt anhand der Zinsanpassungstermine der zugrunde liegenden Geschäfte, unter Berücksichtigung (modellierter) Cashflows.
Retrospektive Betrachtung: Prozessschritt am Ende jeder RMA-Periode, der unter Berücksichtigung von in der vergangenen Periode aufgetretenen unerwarteten Änderungen am NRR in der Rückschau mögliche Over-Hedges identifiziert.
Risk Mitigation Adjustment: Eine Bilanzposition, die durch Anwendung des Lower-Of-Tests aus dem RMA-Modell entsteht. Sie entspricht ökonomisch den kumulierten Fair-Value-Änderungen aus den Sicherungsderivaten, die nicht unmittelbar ergebniswirksam werden.
Risk Mitigation Adjustment Excess: Differenz zwischen Risk Mitigation Adjustment und dem Fair Value der Netto-Risikoposition. Im RMA-Prozess ist eine Messung dieses Überschusses vorgesehen, die gewährleisten soll, dass die durch das Risk Mitigation Adjustment kolportierten ökonomischen Stabilisierungseffekte der Risikosteuerung weiterhin durch die Netto-Risikoposition realisiert werden können. Übersteigt das Risk Mitigation Adjustment den Fair Value der Netto-Risikoposition, so muss der Überschuss sofort ergebniswirksam aus dem Risk Mitigation Adjustment ausgebucht werden.
Risikomanagementstrategie (RMS): Im Kontext des RMA ist hiermit die übergeordnete Strategie zur Zinsrisikosteuerung des Bankbuches gemeint. Sie liefert zentralen Input für die konkrete Ausgestaltung des RMA.
Risk Mitigation Objective (RMO): Das Ausmaß, in dem ein Institut sein offenes Zinsrisiko durch den Einsatz von Sicherungsderivaten verringert. Für Bewertungszwecke wird es durch die Benchmark-Derivate dargestellt.
Fußnoten
1 Die Agenda Paper zum Thema DRM/RMA können, gruppiert nach Meeting, der Webseite des IASB entnommen werden.
2 Im Exposure Draft wird für die designierten Derivate explizit auf die kumulierten Gewinne und Verluste abgestellt, wohingegen für die Benchmark- Derivate von den kumulierten Fair-Value Änderungen gesprochen wird (ED 12/202, 7.4.8). In den Basis for Conclusion (BC 12/2025 BC93) wird hingegen sowohl bei den designierten Derivaten als auch den Benchmark Derivaten auf kumulierte Fair-Value- Gewinne oder -Verluste abgestellt. Unseres Erachtens entspricht die Formulierung in der Basis for Conclusion der Intention des RMA-Ansatzes, indem die gleichen Ergebnisgrößen miteinander verglichen werden. Durch die Formulierung im Exposure Draft könnte es u. E. in speziellen Konstellationen zu unerwarteten Ergebniseffekten im Zinsergebnis kommen.
Verfasst von

Dr Lukas Fertl, Senior Consultant & Expert in Risk Mitigation Accounting, IRRBB and Integrated Bank Management
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Jens Itzenhäuser, Partner & Expert in HGB, UGB and IFRS Accounting (esp. Financial Instruments)
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Dr Nils Matthes, Manager & Expert in Risk Mitigation Accounting, IRRBB/CSRBB and Integrated Bank Management
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Dr Tim Schmiedl, Senior Manager & Expert in Interest Rate Risk Management and IFRS Hedge
Accounting
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Dr Samuel Tebege, Senior Manager & Expert in Accounting and Valuation of Financial Instruments
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Dr Konstantinos Xylouris, Manager & Expert in Asset Liability Management, Bank Management and IFRS Hedge Accounting
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