OpRisk: Ein Standardansatz für alle Banken

Bereits Basel II umfasste in Säule 1 mit Basisindikatoransatz (BIA), Standardansatz (STA) und den fortgeschrittenen Messansätzen (AMA) drei Methoden zur Berechnung der Eigenkapitalanforderungen für operationelle Risiken. In mehreren Konsultationen (BCBS 291, 10/2014; BCBS 355, 03/2016) wurden verschiedene Veränderungen an diesen Ansätzen vorgeschlagen und diskutiert. Mit der Überarbeitung von Basel III (BCBS 424) von Dezember 2017 präsentiert der Baseler Ausschuss nun einen Standardansatz (SA), der voraussichtlich ab 2022 verpflichtend für alle Banken gelten soll und somit alle bisherigen Ansätze ersetzt, also insbesondere die Abschaffung des AMA (für Säule 1) mit sich bringt.

Standardansatz für operationelle Risiken

Mit dem einheitlichen Standardansatz zielt der Baseler Ausschuss darauf ab, die Vergleichbarkeit der Kapitalunterlegung zwischen den Instituten zu verbessern und die Komplexität zu reduzieren. Zur Ermittlung des OpRisk-Kapitals kombiniert der Standardansatz einen Geschäftsindikator („Business Indicator“), der sich aus GuV-Komponenten zusammensetzt, mit einem Verlustmultiplikator, der auf internen Verlustdaten der Bank basiert, was die Risikosensitivität erhöhen soll.

Geschäftsindikator

Mit dem Geschäftsindikator verfolgt der Baseler Ausschuss das Ziel, einen einfachen Schätzer für operationelles Risiko aus Bilanzgrößen zu konstruieren. Als Reaktion auf die Kritik aus den vorherigen Konsultationen wurde die Zusammensetzung der GuV-Komponenten angepasst, um etwa die Benachteiligung provisions- und zinslastiger Geschäftsmodelle zu beheben. Der Geschäftsindikator wird in drei Größenklassen eingeteilt und in eine Geschäftsindikatorkomponente umgerechnet. Mit wachsendem Geschäftsindikator steigt der Verlauf der Komponente und somit der Kapitalbedarf für operationelles Risiko immer stärker an (siehe Abbildung 1), was der Baseler Ausschuss mit eigenen empirischen Analysen begründet.

 

Abbildung 1: Verlauf der Geschäftsindikatorkomponente über drei Größenklassen

Verlustkomponente

Um die Risikosensitivität des Standardansatzes zu erhöhen, führt der Baseler Ausschuss für die Größenklassen 2 und 3 einen von bankinternen Verlustdaten abhängigen Multiplikator ein, mit dem die Geschäftsindikatorkomponente nach oben oder unten skaliert wird. Dazu wird eine Verlustkomponente berechnet, die den durchschnittlichen jährlichen Verlust berücksichtigt, und diesen zur Geschäftsindikatorkomponente ins Verhältnis setzt.

 

Die Verlustkomponente entspricht dem 15fachen jährlichen Durchschnittsverlust der vergangenen 10 Jahre. Abbildung 2 zeigt exemplarisch den Verlustmultiplikator für eine Verlustkomponente von 1 (A), 3 (B) und 5 Mrd. EUR (C) in Abhängigkeit der Geschäftsindikatorkomponente.

 

Um den Verlustmultiplikator („Internal Loss Multiplier“) zu berechnen, geht die Verlustkomponente im Verhältnis zur Geschäftsindikatorkomponente in eine Logarithmusfunktion ein. Der endgültige Kapitalbedarf für operationelle Risiken ergibt sich aus dem Produkt von Geschäftsindikatorkomponente und Verlustmultiplikator.

 

Abbildung 2: Verlustmultiplikator für drei Verlustkomponenten (A: 1 Mrd. EUR, B: 3 Mrd. EUR, C: 5 Mrd. EUR) in Abhängigkeit von der Geschäftsindikatorkomponente

 

Beim Vergleich der drei dargestellten Szenarien ist ersichtlich, dass die Höhe der Verlustkomponente den Multiplikator moderat beeinflusst. Entspricht die Verlustkomponente der Höhe der Geschäftsindikatorkomponente, ist der Multiplikator 1. Aus den einzelnen Verläufen für die Szenarien A, B und C erkennt man, dass der Multiplikator in diesem Bereich nur wenig sensitiv ist und erst bei einer Verlustkomponente, die ein Vielfaches der Geschäftsindikatorkomponente beträgt, höhere Werte erreicht. Der Multiplikator ist auf ca. 0,54 nach unten beschränkt.

 

Der Baseler Ausschuss fordert eine zehnjährige Datenhistorie zur Berechnung der Verlustkomponente, nur übergangsweise sind fünf Jahre Datenhistorie zulässig. Außerdem enthält die BCBS 424 Mindestanforderungen für die Nutzung von bankinternen Verlustdaten.

 

Zudem sieht der Vorschlag des Baseler Ausschusses Möglichkeiten für die nationalen Aufsichtsbehörden vor, die Auswirkungen des Verlustmultiplikators zu steuern. Die Erfassungsgrenze für Verluste, die Eingang in die Verlustkomponente finden, kann durch die Aufsichtsbehörden auf entweder 20.000 EUR oder 100.000 EUR festgelegt werden. Die Aufsichtsbehörden können auch entscheiden, den Verlustmultiplikator für alle Banken auf den Wert 1 festzusetzen. In diesem Fall entspräche der OpRisk-Kapitalbedarf der auf GuV-Komponenten basierenden Geschäftsindikatorkomponente und wäre somit von den internen Verlusten des Instituts unabhängig.

Reaktionen von Marktteilnehmern

Bereits bei der ersten Vorstellung des neuen Standardansatzes in BSBS 355 beklagte die Industrie, dass mit den bankinternen Verlustdaten nur ein (vergangenheitsorientiertes) Element des AMA übernommen wurde und andere nützliche Instrumente (externe Verlustdaten, Szenarioanalysen, interne Kontrollsysteme, etc.) in Säule 1 wegfallen. Diese Kritikpunkte, die Zweifel an der Risikosensitivität und die Furcht, dass durch die Einfachheit des Ansatzes das Verständnis und das Management operationeller Risiken leiden werden, treffen auch auf die finale Fassung des Standardansatzes in BCBS 424 zu.

Nächste Schritte

Der Baseler Ausschuss gibt den 1. Januar 2022 als Einführungsdatum für den Standardansatz an. Die Veröffentlichung 424 ist – anders als die Konsultationen 291 und 355 – nicht als Diskussionsgrundlage, sondern als finale Fassung zu verstehen. Auch wenn Anpassungen im Rahmen des Legislativprozesses nicht ausgeschlossen werden können, ist doch eine Umsetzung zu erwarten, die sich eng an den Vorschlägen des Baseler Ausschusses orientieren wird.

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