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OpRisk: Ein Standardansatz für alle Banken

Bereits Basel II  umfasste in Säule 1 mit Basisindikatoransatz (BIA), Standardansatz (STA) und den fortgeschrittenen Messansätzen (AMA) drei Methoden zur Berechnung der Eigenkapitalanforderungen für operationelle Risiken. Durch Basel III  hat sich an diesem ganzheitlichen Ansatz nur wenig geändert. Im Oktober 2014 hat der Baseler Ausschuss mit der Konsultation zur Anpassung der einfachen Ansätze (BCBS 291) wieder Bewegung in die Weiterentwicklung der aufsichtlichen Behandlung operationeller Risiken gebracht und gleichzeitig Spekulationen um die Zukunft des AMA angefeuert. Am 4. März 2016 wurde nun eine lang erwartete Konsultation (BCBS 355) veröffentlicht, die einige Überraschungen bereithält.

 

Anpassungen der einfacheren Ansätze

Im Konsultationsschreiben BCBS 291 („Operational risk – Revisions to the simpler approaches”)  schlug der Baseler Ausschuss eine Zusammenlegung von Basisindikator-, Standardansatz und alternativen Standardansatz vor, den „einfacheren“ Methoden, die die CRR – neben dem aufwändigeren AMA-Ansatz („Advanced Measurement Approach“) – zur Berechnung der Eigenmittelanforderungen für das operationelle Risiko aufführt. Kern des Ansatzes war der sog. „Business Indicator“, eine Zusammensetzung von GuV-Komponenten, der als Schätzer für operationelles Risiko dienen soll. In der Konsultationsphase wurde eine wesentliche Verbesserung der Risikosensitivität in Frage gestellt. Ebenso wurde kritisiert, dass durch die Zusammensetzung des Geschäftsindikators bestimmte Geschäftsmodelle benachteiligt würden.

 

Standardmessansatz für operationelle Risiken

In der Konsultation BCBS 355 vom 4. März 2016 stellt der Baseler Ausschuss nun einen neuen Standardansatz, kurz SMA („Standardised Measurement Approach“)  vor. Im Gegensatz zu BCBS 291 soll dieser nicht nur die einfachen Ansätze der CRR, sondern auch den fortgeschrittenen Messansatz (AMA) ersetzen. Der SMA soll somit für alle Banken verpflichtend gelten, andere Ansätze sind nicht vorgesehen. Der Baseler Ausschuss zielt damit darauf ab, die Vergleichbarkeit der Kapitalunterlegung zwischen den Instituten zu verbessern und die Komplexität zu reduzieren. Zur Ermittlung des OpRisk-Kapitals kombiniert der SMA einen Geschäftsindikator („Business Indicator“), der sich aus GuV-Komponenten zusammensetzt, mit bankinternen Verlustdaten, was die Risikosensitivität erhöhen soll.

 

Geschäftsindikator

Mit dem Geschäftsindikator verfolgt der Baseler Ausschuss weiterhin das Ziel, einen einfachen Schätzer für operationelles Risiko aus Bilanzgrößen zu konstruieren. Als Reaktion auf die Kritik aus der Vorgängerkonsultation von Oktober 2014 wurde nun die Zusammensetzung der GuV-Komponente angepasst, um etwa die Benachteiligung provisions- und zinslastiger Geschäftsmodelle zu beheben. Der Geschäftsindikator wird in fünf Größenklassen eingeteilt und in eine Geschäftsindikatorkomponente umgerechnet. Mit wachsendem Geschäftsindikator steigt der Verlauf der Komponente und somit der Kapitalbedarf für operationelles Risiko immer stärker an (siehe Abbildung 1), was der Baseler Ausschuss mit eigenen empirischen Analysen begründet.

 

Abbildung 1: Verlauf der Geschäftsindikatorkomponente über fünf Größenklassen

 

Verlustkomponente

Um die Risikosensitivität des SMA zu erhöhen, führt der Baseler Ausschuss für die Größenklassen zwei bis fünf einen von bankinternen Verlustdaten abhängigen Multiplikator ein, mit dem die Geschäftsindikatorkomponente nach oben oder unten skaliert wird. Dazu wird eine Verlustkomponente berechnet, die die Verteilung der durchschnittlichen jährlichen Gesamtverluste berücksichtigt, indem nach Ereignissen mit über 10 bzw. 100 Mio. EUR Verlust differenziert wird. Tabelle 1 zeigt exemplarisch drei verschiedene hypothetische Verlustverteilungen mit jeweils gleichem Gesamtverlust. Die Verlustkomponente ergibt sich durch gemittelte Gewichtung der jährlichen Gesamtverluste (Faktor 7) und der jährlichen Verluste aus Ereignissen über 10 Mio. EUR (Faktor 7) bzw. über 100 Mio. EUR (Faktor 5).

 

Tabelle 1: Beispiel für drei hypothetische Verlustverteilungen


Um den Verlustmultiplikator („Internal Loss Multiplier“) zu berechnen, geht die Verlustkomponente im Verhältnis zur Geschäftsindikatorkomponente in eine Logarithmusfunktion ein. Der endgültige Kapitalbedarf für operationelle Risiken ergibt sich aus dem Produkt von Geschäftsindikatorkomponente und Verlustmultiplikator.  In Abbildung 2 ist der Verlustmultiplikator als Funktion der Geschäftsindikatorkomponente für die drei Verteilungsbeispiele aus Tabelle 1 dargestellt.

 

Abbildung 2: Verlustmultiplikator für drei Beispielverteilungen in Abhängigkeit von der Geschäftsindikatorkomponente



Beim Vergleich der beiden Extremszenarien A (viele kleine Verluste) und C (wenige große Verluste) ist ersichtlich, dass die Verteilung den Multiplikator nur moderat beeinflusst. Bei Gesamtverlusten in Höhe der Geschäftsindikatorkomponente ist der Multiplikator 1. Aus den einzelnen Verläufen für die Szenarien A, B und C erkennt man, dass der Multiplikator in diesem Bereich nur wenig sensitiv ist und erst bei Gesamtverlusten, die ein Vielfaches der Geschäftsindikatorkomponente betragen, höhere Werte erreicht. Der Multiplikator ist auf ca. 0,54 nach unten beschränkt.

Der Baseler Ausschuss fordert eine zehnjährige Datenhistorie zur Berechnung der Verlustkomponente, nur übergangsweise sind fünf Jahre Datenhistorie zulässig. Außerdem enthält die Konsultation Mindestanforderungen für die Nutzung von bankinternen Verlustdaten. Werden diese Anforderungen nicht erfüllt, ist der Multiplikator 1, die Aufsicht kann aber auch einen höheren Wert vorschreiben. 

Nächste Schritte

Die Konsultationsphase zum SMA endet am 3. Juni 2016 und im Laufe des Jahres werden weitere Details zum Ende des AMA und der Einführung des SMA bekannt gegeben.

Die Industrie beklagt bereits, dass mit den bankinternen Verlustdaten nur ein (vergangenheitsorientiertes) Element des AMA übernommen wurde und andere nützliche Instrumente (externe Verlustdaten, Szenarioanalysen, interne Kontrollsysteme, etc.) in Säule 1 wegfallen. Die Risikosensitivität des SMA wird deshalb angezweifelt und man fürchtet, dass durch die Einfachheit des Ansatzes das Verständnis und das Management operationeller Risiken leiden werden.

 

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