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Intraday Liquidity

Mit der Finanzkrise ist das Thema Liquiditätsrisiko  in den Fokus der Regulatoren gerückt. Bereits in den ersten Schritten war dabei die untertägige Liquidität (Intraday Liquidity Risk) als Prinzip 8 der „Principles for Sound Liquidity Risk Management and Supervision“ des Basler Ausschusses (BCBS144, 2008) ein fester Bestandteil.


Untertägige Liquidität ist notwendig für das Funktionieren des internationalen Zahlungs- und Settlementsystems. Durch technischen Fortschritt und neue Marktinfrastrukturen in Form von Clearinghäusern und Central Counterparties ist das weltweite Zahlungs- und Settlementnetzwerk effizienter als je zuvor, jedoch auch komplexer und möglicherweise anfälliger für systemische Effekte. Von Banken wird daher erwartet, dass sie sich einerseits über ihre Abhängigkeit von der Zahlungsinfrastruktur bewusst sind und andererseits verstehen, welche Auswirkungen ihre eigenen Entscheidungen auf das reibungslose Funktionieren des Zahlungsnetzwerkes haben. Ganz besonders trifft dies auf international tätige Banken sowie auf Anbieter von Korrespondenzbankdienstleistungen zu.

 

Mit dem Prinzip 8 der „Principles“ wurde die Messlatte für zukünftige Best Banking Practices im Bereich Intraday Liquidity Risk mit folgenden Kernerwartungen gesetzt:

  • Fähigkeit künftige Zahlungen mit einem erwarteten Zahlungszeitpunkt zu projizieren
  • Fähigkeit im Tagesverlauf die tatsächlichen Aktivitäten zu überwachen
  • Fähigkeit die Ausführungszeitpunkte eigener Zahlungen zu steuern
  • Vorsorge für unerwartete Zwischenfälle und Notfallliquiditätsquellen

Nachdem LCR und NSFR nun fast vollständig umgesetzt sind, verschiebt sich der Umsetzungsschwerpunkt vom klassischen Liquiditätsrisiko hin zu Intraday Liquidity Risk. Die ersten Leitplanken werden dabei durch den Vorschlag von konkreten und detaillierten „Monitoring Tools“ des Baseler Ausschusses (BCBS 248, 2013) und die in SREP unter der European Capital Requirements Regulation formulierten Erwartungen an die Überwachung von untertägiger Liquidität gesetzt.

Intraday Liquidity Risk ist anders als das „klassische“ Liquiditätsrisiko

Die Standards der EBA für den SREP unter der European Capital Requirements Regulation deuten klar in Richtung einer integrierten untertägigen Liquiditätsrisikosteuerung im Rahmen der Risikosteuerung in Banken.

 

Intraday Liquidity Risk ist dabei mehr als eine einfache Erweiterung des Liquiditätsrisikomonitorings hin zu noch kürzeren Reportingfrequenzen.
Zum einem ist es notwendig untertägig Zahlungen statt Netto Cash Flows zu betrachten und zum anderen werden die untertägigen Zahlungszeitpunkte von völlig anderen Faktoren bestimmt als im klassischen Liquiditätsrisiko.
Dies erfordert nicht nur andere Daten und Datenquellen, z.B. aus internen Zahlungs- und Settlementmodulen und SWIFT, sondern auch andere Modelle um diese Daten auszuwerten.
Beispielweise könnte an einem Bankarbeitstag eine Anleihe in Fremdwährung fällig werden wobei die Liquiditätsquelle die eingehende Zahlung eines FX Swaps ist. Im klassischen Liquiditätsrisiko, bei dem Cash Flows auf Tage aggregiert werden, wären diese Zahlungsströme nicht sichtbar und auch nicht von Interesse. Untertägig hingegen ist es erheblich in welcher zeitlichen Abfolge die ein- und ausgehenden Zahlungen erfolgen bzw. erfolgen können.
Für den Zahlungszeitpunkt aber spielen Settlement Instructions, Cut-Off Zeiten, sowie die Verfügbarkeit von untertägigen Liquiditätslinien auf den betroffenen Konten eine zentrale Rolle, also Informationen, die typischerweise nicht in den Risikosystemen vorliegen. Für die Bewertung von untertägigen Liquiditätsrisiken müssen zuletzt auch Annahmen für Zahlungszeitpunkte getroffen werden, die sowohl Settlement Instructions als auch typische und mögliche Verhaltensweisen der beteiligten Marktteilnehmer berücksichtigen.

Beispiel von untertägigen Stresseffekten auf ein Nostrokonto bei dem eine große Wholesaleeinzahlung  (Swap) um zwei Stunden verzögert kommt, was zu einer maximalen Ausnutzung der untertägigen Kreditlinie von 1,2 Milliarden führt. Stresseffekte von Retailzahlungen werden durch Diversifikationseffekte gedämpft.

 

Die Einflussfaktoren auf untertägige Liquidität sind breit gefächert und reichen von stressbedingten Ereignissen bis hin zu operativen Regeln, die von Markteilnehmern und -infrastrukturen gesetzt und befolgt werden. Ein Risikomanager im Bereich Intraday Liquidity muss dabei im Detail verstehen, wie internationale Zahlungs- und Settlementsysteme arbeiten und wie das eigene Institut dieses Netzwerk nutzt. Seine Expertise muss u.a. folgende Themen umfassen:

  • Regeln und Randbedingungen bei der direkten Teilnahme an Large-Value Payment Systemen (LVPS) und Echtzeit-Bruttoabwicklungssystemen (RTGS)
  • Cut-Off-Zeiten von Märkten und Finanzintermediären wie z.B. Korrespondenzbanken, Clearinghäusern und Depotbanken
  • Korrespondenzbankdienstleistungen und „Know your customer’s customer” (KYCC)
  • SWIFT-Nachrichtenstandards

BCBS248 - Überwachung des Intraday Liquidity Risk

Mit BCBS248 hat der Basler Ausschuss einen Schritt nach vorne gemacht und konkrete Überwachungskennzahlen für Intraday Liquidity vorgeschlagen, die für große, international tätige Banken Anwendung finden sollen. Die Anforderungen in BCBS248 enthalten detaillierte Beschreibungen der zu sammelnden Daten, sowie klar definierte regulatorische Berichte auf ex-post Daten:


Kennzahlen für alle betroffenen Banken

  • A (i): Maximale tägliche Liquiditätsinanspruchnahme
  • A (ii): Verfügbare untertägige Liquidität zu Beginn des Banktages
  • A (iii): Bruttozahlungen
  • A (iv): Zeitgebundene Zahlungsverpflichtungen

Kennzahlen für Anbieter von Korrespondenzbankdienstleistungen

  • B (i): Summe der Zahlungen im Namen von Korrespondenzbankkunden
  • B (ii): Untertätige Ausweitungen von Kreditlinien für Kunden

Kennzahlen für direkte Teilnehmer (an LVPS)

  • C (i): Untertägiger Gesamtzahlungsdurchsatz


Über die Berichtskennzahlen hinaus empfiehlt der Basel Ausschuss die Anwendung von Stressszenarien auf ex-post Liquiditätsprofile um die Struktur der eigenen untertätigen Liquidität zu verstehen und Schwachstellen zu identifizieren.

 

Die größte Herausforderung bei der Implementierung von BCBS248 ist dabei die Datenverfügbarkeit. Die Umsetzung von BCBS248 erfordert den Aufbau neuer, zahlungsorientierter Datenpools mit der notwendigen Granularität, d.h. Zeitstempel, Bruttosicht sowie notwendige Zusatzinformationen für das Design von Stressszenarien, z.B. Counterparty, Zahlungs-/Settlementkanal, Cut-Off-Zeiten etc.

 

Banken erhalten und verarbeiten SWIFT-Nachrichten über Zahlungen und Settlements. Die Zusammenführung von SWIFT-Nachrichten über eingehende Zahlungen mit den Transaktionsdaten der Bank geschieht zwar standardmäßig im Back Office, aber die Ergebnisse dieser Abgleiche sind selten verfügbar in Reportingtools für Analysen und Steuerungsberichte. Die größte Herausforderung liegt jedoch in den Zeitstempelinformation. Für Korrespondenzbankkunden liegen diese beispielsweise weder für eingehende noch für abgehende Zahlungen im Haus, sondern bei der Korrespondenzbank. Während Zeitstempel über die SWIFT-Nachrichtenstandards MT900/910 prinzipiell abgedeckt werden können, geht diese Anforderung viel weiter als es das Cash- und Positionsmanagement erfordert, und für das Kontoauszüge in MT940/950, ggf. noch MT942-Zwischenberichte ausreichen. Der ideale Nachrichtenstandard der MT900/910-Einzelbuchungsbenachrichtigungen ist bisher noch nicht flächendeckend am Markt etabliert.

 

Bei der Implementierung von BCBS248 stehen also der Aufbau neuer Datenpools, das Anschließen neuer interner und externer Datenquellen sowie die Anwendung von Näherungsmethoden zur Überbrückung von Datenlücken an.

Unser Angebot

d-fine kann Sie in unterschiedlichen Aspekten und Phasen Ihres Intraday Liquidity Risk Projektes unterstützen: von der ersten Bewertung der Risikolage, über Verbesserungen der Back-Office Prozesse bis hin zur Etablierung eines Framework zu Messung und Steuerung.

  • Quick Check Ihrer Methoden, Systeme und Prozesse im Hinblick auf Intraday-Liquiditätssteuerung
  • Implementierung der BCBS248 Monitoring Tools
  • Maßnahmen mit Ziel die SREP Quote zu verbessern
  • Benchmarking Ihrer Back-Office Prozesse, im Besonderen des Cash Managements und der Settlementprozesse im Hinblick auf Ihre Nutzung von Infrastruktur und der untertätigen Liquiditätsrisiken
  • Intraday Datenanalyse, Modellentwicklung und Szenariodesign

 

Gerne vereinbaren wir mit den Experten Ihres Hauses einen Gesprächstermin. Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme!


Ausführliche Informationen erhalten Sie gerne telefonisch unter +49 69 907370 oder per E-Mail an info@remove-this.d-fine.de, Stichwort "Intraday Liquidity".