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Bilaterale Besicherungspflicht: Initial Margins

Initial Margins als spezielle, vorwärtsschauende Komponente der Margin-Forderungen spielen schon seit langem im zentral abgewickelten Geschäft eine große Rolle. Im Zuge der einsetzenden Besicherungspflicht für nicht zentral abgewickelte Derivate wird diese Margin Komponente nun auch im bilateralen Derivategeschäft eingeführt, zusätzlich zum bereits seit März 2017 verpflichtenden Variation Margin.

Regulatorischer Hintergrund

In der EU sind die Details der Besicherungspflicht für nicht zentral abgewickelte Derivate im Regulierungsstandard (EU) 2016/2251 geregelt, insbesondere wird festgelegt für welche Marktteilnehmer die Verpflichtung zum Austausch von Initial Margins gilt: Kontrahenten müssen für ihr bilaterales Derivategeschäft Initial Margins austauschen, wenn für beide gilt, dass das gruppenweit aggregierte Nominal in nicht zentral abgewickelten Derivaten - berechnet als Durchschnittswert der Monatsultimo März, April und Mai des jeweiligen Jahres - über einer im Gesetzestext festgelegten Schwelle liegt. Diese Schwelle betrug in der ersten Phase der Initial Margin Pflicht 3 Billionen EUR, wird aber bis 2019 auf 750 Milliarden und bis 2020 auf den finalen Wert von 8 Milliarden Euro absinken.

 

Dadurch wird dieses Thema auch für mittelgroße und kleinere Institute relevant sofern entsprechendes Derivategeschäft vorhanden ist, oder möglicherweise auch aufgrund von Zugehörigkeit zu einem größeren Mutterkonzern. Hierbei ist anzumerken, dass es zulässig ist, gruppenweit pro Kontrahent einen Freibetrag von 50 Millionen EUR in Anspruch zu nehmen und nur die Initial Margin auszutauschen, die über diesen Betrag hinausgeht.

 

Ferner sind verschiedene gesetzliche Vorgaben für den eigentlichen Austausch der Initial Margins zu beachten. Beispielsweise ist es nicht zulässig, die eigenen Initial Margin Forderungen mit denen der Gegenpartei zu verrechnen oder die erhaltenen Sicherheiten weiterzuverpfänden.

Initial Margin Modelle

Aktuell sind im Markt für die Berechnung der Initial Margin Zahlen im bilateralen Derivategeschäft zwei Modelle verfügbar:

  • Standardansatz (Standardised Initial Margin Schedule): Dieses Modell wird vom Regulator definiert und ist sehr einfach umzusetzen, kann aber unter Umständen sehr konservative Initial Margin Zahlen liefern. 
  • Standard Initial Margin Modell (SIMM): Dieses von der ISDA entwickelte Modell wird von den meisten Großbanken verwendet. Es ist sensitivitätsbasiert und deutlich risikosensitiver als der Standardansatz, allerdings in Umsetzung und Betrieb auch aufwändiger.

Als Kriterien für die Entscheidung ob SIMM als Initial Margin Modell verwendet werden soll haben sich die folgenden zwei wesentlichen Punkte herauskristallisiert:

  • Effizienz des Modells: Wenn durch die Verwendung von SIMM signifikante Einsparungen in Bezug auf Initial Margin Forderungen möglich ist, dann kann dies die Verwendung dieses komplexeren Modells rechtfertigen.
  • Marktstandard: Auch bei keinen oder nur geringen Einsparungen durch die Verwendung von SIMM kann es notwendig sein dieses Modell zu implementieren, um mit den aktuellen Kontrahenten weiterhin handelsfähig zu bleiben. Dieser Punkt ist für kleinere Häuser oft der relevantere.

Ob sich wesentlich Ersparnisse durch die Verwendung von SIMM ergeben ist stark portfolioabhängig. Als generelle Richtschnur kann man davon ausgehen, dass vor allem für große Portfolios, die gut gehedged oder diversifiziert sind, das Einsparpotential gegenüber dem Standardansatz erheblich sein kann. Um genauere Aussagen über die eigenen Portfolios zu erhalten müssen diese z.B. im Rahmen einer Vorstudie untersucht werden, bei der idealerweise auch gleich die Vollständigkeit der für die Implementierung von ISDA SIMM benötigten Datenbasis untersucht wird.

 

Falls die Entscheidung fällt SIMM als Initial Margin Modell zu implementieren so sind in der Umsetzung zunächst die Lücken in der Datenbasis zu schließen. Die Umsetzung des eigentlichen Modells kann entweder als Eigenentwicklung bzw. als Vendor-Lösung erfolgen oder durch Anbindung an eine zentrale Plattform zum Initial Margin Management. Ferner ist die Etablierung von neuen Prozessen, z.B. zum Disput-Management aber insbesondere auch zur Modell Governance, als integraler Bestandteil der SIMM Umsetzung anzusehen.

 

Zuletzt ist zur SIMM Umsetzung noch anzumerken, dass sich aufgrund der strukturellen Gemeinsamkeiten mit dem FRTB Standardansatz insbesondere hinsichtlich der Datengrundlagen bei der Umsetzung Synergieeffekte ergeben können. Es kann also lohnend sein, wenn sich die entsprechenden Umsetzungsprojekte miteinander abstimmen.

Abwicklung von Initial Margin Forderungen

Der Margining Prozess für Initial Margin unterscheidet sich in einigen Punkten vom etablierten Prozess für Variation Margin. So sind durch das fehlende Netting von gestelltem und erhaltenem Initial Margin letztlich zwei separate Margins zu verarbeiten. Zudem gestalten sich Disputprozesse bei der Verwendung von SIMM durch die Vielzahl abzugleichender Parameter deutlich aufwändiger. Hier kann die Nutzung von spezialisierten Infrastruktur-Anbietern einen deutlichen Nutzen bringen.

 

Im Bereich der Abwicklung von Initial Margins hat sich statt des direkten bilateralen Austauschs die Verwendung von Triparty-Agenten etabliert, Barsicherheiten spielen hier keine Rolle.

 

 

 

Hier kann bei der Umsetzung auf ggf. vorhandene Prozesse zu anderen Triparty-Services (Triparty Repo, Triparty Leihe …) aufgebaut werden, und ggf. ist auch hierfür die Nutzung von spezialisierten Services sinnvoll.

Auswirkungen von Initial Margins auf Derivate - Stückkosten

Berechnung und Austausch von Initial Margins haben neben den weiter oben beschriebenen unmittelbaren operative Auswirkungen auch einen Einfluss auf das Pricing der entsprechenden Derivate. Als Funding-relevante Größe müssen Initial Margins im Front-Office Pricing berücksichtigt werden, was zu einem zusätzlichen ‚Valuation Adjustment‘ führt, dem sogenannten ‚Margin Value Adjustment‘ (MVA).

 

Der MVA stellt im aktuellen Marktumfeld eine rein auf die Preisfindung fokussierte Komponente dar. Sie begründet sich aus den Fundingkosten für Initial Margin und betrifft sowohl bilateral mit Initial Margin besicherte Geschäfte als auch zentral abgewickelte Positionen. Der MVA hängt in linearer Weise sowohl vom Fundingspread des Instituts als auch von der erwarteten Höhe der (diskontierten) künftigen Initial Margin ab.

 

In das Pre-Deal Pricing von Derivaten geht heute der inkrementelle MVA-Effekt am ehesten auf der Kundenseite ein, wo er für die Hedgekosten dual zu FVA (Fundingkosten für Collateral / Variation Margin) angesetzt wird. Auf der Interbankseite ist die Durchsetzung dieser Kosten schwieriger, da in der bilateralen Situation beide Seiten IM stellen müssen und sich gegenseitig diese (ggf. asymmetrischen) belasten würden. Ebenso widerspricht dies in vielen Fällen der Best Execution Praxis und Anforderung am Interbankenmarkt.

 

Eine Eingangsfindung in die bilanzielle Sicht unter IFRS 13 wäre aus Konsistenzgründen zu FVA naheliegend, scheitert aber momentan noch an der aufwändigen Methodik, der bislang eher inkonsistenten methodischen Umsetzung über den Bankmarkt hinweg und der fehlenden einheitlichen Praxis, diese Kostenkomponente mit durchzusetzen. Diese Situation wird sich aber parallel zum stufenweisen Onboarding weiterer Banken bis September 2020 erwartungsgemäß deutlich verändern.

 

Methodisch liegt die Herausforderung vor allem in der Simulation der künftigen Initial Margin, die man konsistent im Rahmen der Exposuresimulation durchführen muss. Dies bedeutet bei ISDA-SIMM nicht weniger als die Berechnung sämtlicher relevanter Sensitivitäten auf allen Monte Carlo Pfaden zu allen simulierten Exposure-Stützpunkten auf allen Portfolios, bei denen eine bilaterale IM gestellt wird. Hierzu werden heute oft spezielle Beschleunigungsverfahren wie etwa AAD eingesetzt.

 

Mehr Informationen zu MVA und XVA allgemein finden Sie unter diesem Link.

Wie d-fine Sie unterstützen kann

d-fine unterstützt bereits seit der ersten Phase der Initial Margin Pflicht Banken in allen Aspekten der Berechnung und Abwicklung von Initial Margins. Wir stützen uns hierbei auf unsere jahrelange Erfahrung in der Entwicklung und Implementierung von Initial Margin Modellen, und der bei der Umsetzung von Tri-party Repo/Leihe und Collateral Management Projekten sowie Projekten im Bereich Counterparty Credit Risk und xVA gewonnenen Expertise.

 

Daher können wir Sie sowohl als Komplettanbieter in einem Umsetzungsprojekt unterstützen als auch Einzelaspekte wie die Initial Margin Berechnung, Verwahrkonzepte oder MVA beleuchten. Gerne unterstützen wir Sie auch bei der Planung Ihres Projekts oder führen eine Vorstudie durch, die z.B. eine Abschätzung der zu erwartenden Initial Margin Zahlen oder eine kritische Würdigung der existierenden Collateral Management und Abwicklungsprozesse enthalten kann.

 

Ausführlichere Informationen erhalten Sie telefonisch unter +49 69 907370 oder per E-Mail an info@remove-this.d-fine.de, Stichwort "Bilaterale Initial Margins". Wir freuen uns auf Ihre Kontaktaufnahme!