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Risikominderungstechniken für bilaterale OTC-Derivate unter EMIR

Seit dem 16. August 2012 ist die European Market Infrastructure Regulation (EMIR)  in Kraft. Neben der Einführung einer Clearing- und Meldepflicht für OTC-Derivate, werden durch die Verordnung auch erhöhte Anforderungen an Risikominderungs-verfahren für bilaterale OTC-Derivategeschäfte vorgegeben. Diese risikomindernden Maßnahmen sind für alle nicht durch eine zentrale Gegenpartei (CCP) geclearten OTC-Derivategeschäfte anzuwenden und beziehen sich auf folgende Punkte:

 

Tägliche Bewertung

  • Alle bilateralen OTC Derivatekontrakte müssen täglich Markt-to-Market bewertet werden. Nur unter definierten Bedingungen ist eine Markt-to-Model Bewertung zulässig. Für nicht-finanzielle Gegenpartien unterhalb der Clearing-Schwelle entfällt diese Anforderung.

Zeitnahe Bestätigung

  • Für alle nicht geclearten OTC-Derivatekontrakte sind vorgegebene Bestätigungsfristen einzuhalten. Die Bestätigung soll nach Möglichkeit elektronisch durchgeführt werden. Die Frist für die rechtzeitige Be-stätigung liegt für finanzielle Gegenparteien nach einer Übergangsfrist bei einem Tag.

Regelmäßiger Portfolioabgleich

  • Zur Abstimmung aller nicht zentral geclearten OTC-Geschäfte mit den jeweiligen Kontrahenten, sind regelmäßige Portfolioabgleiche durch-zuführen. Die Frequenz der Abgleiche (täglich, wöchentlich, quartals-weise) wird in Abhängigkeit der Portfoliogröße des Kontrahenten bestimmt.

Dispute-Prozesse

  • Es müssen Prozesse zur Identifikation, Klärung, Überwachung und Dokumentation von Disputes  (z.B. aus dem Margining, der Geschäfts-bewertung oder bei Abgleich von Transaktionsdaten) definiert und umgesetzt sein.

Portfolio Compression

  • Ab einer Portfoliogröße von 500 Geschäften muss regelmäßig und mindestens zweimal pro Jahr die Notwendigkeit einer Portfolio Compression geprüft und gegebenenfalls durchgeführt werden.

Bilaterale Besicherung

  • Für bilaterale OTC-Derivatekontrakte wird der Austausch von Variation und Initial Margin verpflichtend. Die Anforderungen zum Austausch von Variation Margin treten voraussichtlich ab 2015 in Kraft. Die  Initial Margin Anforderungen sollen stufenweise innerhalb einer Übergangszeit von 2015 bis 2019 eingeführt werden. Für nicht-finanzielle Gegenpar-teien unterhalb der Clearing-Schwelle entfällt diese Anforderung.

Die Herausforderung bei der Umsetzung der risikomindernden Maßnahmen be-steht darin, dass neben der Vielzahl an fachlichen, prozessualen und  technischen Aspekten auch stets der neueste Stand der rechtlichen Vorgaben zu berücksichtigen ist.

 

Wesentliche Schwerpunkte einer Umsetzung sind:

  • Analyse der Portfolien und bestehender interner Prozesse
  • Ermittlung des Umsetzungs- und Anpassungsbedarfs
  • Konzeption und Umsetzung der notwendigen Anpassungen an der IT-Infrastruktur
  • Definition und Einführung geeigneter interner Prozesse und Kontrollen sowie Klärung der Verantwortlichkeiten.